ExWoSt – Jugendliche im Stadtquartier

Das Viertel zwischen Lützner Straße und Karl-Heine-Straße bzw. Hähnel- und Siemeringstraße wurde im Rahmen der hier stattfindenden Blockentwicklung im Jahr 2008 neu benannt. Namensgebend für die Straßen des Viertels sind Bildhauer aus dem 19. Jahrhundert.

Als Projektidee bot sich an, mit den Nachbarschaftsgärten e.V. als Träger, verschiedene Workshopangebote für und mit Jugendlichen zu etablieren, die sich darauf abzielen, Brachflächen, leerstehende Häuser und den Straßenraum in einem gemeinsamen Prozess zu gestalten und zu nutzen. Dies fügt sich in die Idee einer Blockentwicklung von unten ein. Die Menschen, die hier leben, sollen die Möglichkeit haben, ihr Viertel selbst zu gestalten, d.h., sich öffentlichen Raum anzueignen und dabei den Kunstbegriff für sich selbst und andere zu erweitern. Um bei den Jugendlichen ein Bewusstsein für die Geschichte und die aktuelle Situation des Viertels zu schaffen und sie im Rahmen eines solchen Forschungs- und Modellprojektes gleichwertig und als Hauptakteure in den Prozess der Blockentwicklung einzubinden, war es sinnvoll, die Jugendlichen eigene Ideen entwickeln und diese auch möglichst selbständig und eigenverantwortlich umsetzen zu lassen. Dabei haben sie sich öffentlichen Raum angeeignet um eigenes Gestaltungspotenzial zu erproben. Die Workshops fanden in »zwischengenutzten« Räumen statt. Die Ergebnisse fließen in die konkrete Straßen- und Stadtteilplanung ein. Ein Mediationsteam aus Jugendlichen unter Anleitung von einem professionellen Mediator wurde zur Begleitung der Workshops eingerichtet.

EXWOST
 

Ein weiterführendes Projektziel war eine engere Vernetzung der Anwohner und Anwohnerinitiativen im Viertel.

Die Jugendlichen stürzten sich unterschiedlich engagiert ins Projektgeschehen. Die – bedingt durch die bewusst knapp gehaltenen Vorgaben- geforderte Eigeninitiative und Kreativität im Umgang mit der jeweiligen Thematik, stellten für die meisten Jugendlichen eine große Herausforderung dar. Es war erkennbar, dass sie es eher gewohnt sind, Vorgaben in einem engeren Rahmen lediglich umzusetzen.

Die daraus resultierenden Anfangsschwierigkeiten haben sich allerdings schnell gelegt und es entstanden Phasen, in denen ambitioniert, kreativ und kontinuierlich gearbeitet wurde. Es sind - zum großen Teil in der Gruppe - schöne Ergebnisse entstanden, die stolz machen auf das Erreichte. Die Jugendlichen haben sich teilweise sehr intensiv mit der Geschichte ihrer »Baustelle« auseinandergesetzt und haben gelernt, ihren Stadtteil aus anderen Perspektiven heraus zu betrachten. Die Prämisse, eigene Ideen nahezu in Eigenregie umsetzen zu können, wirkte als starker Antrieb bei der Umsetzung der einzelnen Vorhaben.

Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit konnten wir trotz hartnäckiger Akquisebemühungen nicht alle angesprochene Institutionen (Schulen) trotz Interesse am Projekt als Kooperationspartner gewinnen, da diese längerfristig planen müssen und nicht entsprechend flexibel reagieren konnten. Es ist uns aber gelungen, eine Mittelschule und ein Berufsschulzentrum als Kooperationspartner zu gewinnen. Sie haben trotz der kurzen Zeitvorgabe ihren Unterrichtsplan auf das Projekt abgestimmt, da sie die Projektidee sehr überzeugend fanden.

Mit über 30 Teilnehmern ist die angestrebte Anzahl übertroffen worden. Alle 6 Workshops haben den Projektantrag zugrundeliegenden Inhalt bearbeitet und haben sowohl materiell sichtbare Ergebnisse erzielt als auch Antworten auf die forschungsrelevanten Fragen gefunden.

Nach außen hin sichtbare Ergebnisse sind verschiedene Holzskulpturen, eine Holzterrasse für die Brachflächenküche sowie deren bauliche Erweiterung, ein aus Metallplättchen bestehenden Schriftzug auf einem Zaun; die auf der Brachfläche entstandenen Werke, wie das nachempfundene Wohnzimmer der jüdischen Familie, ein Brunnen und ein Riesenrad.

Die größten sichtbaren Ergebnisse gab es im Inneren des Hauses in der Lützner Str. 23.

Hier entstanden neben baulichen Voraussetzungen für die Nutzung 8 individuell gestaltete Räume wie drei Graffitiräume, ein Kunstraum, ein Café, zwei Mädchenzimmer und eine Skaterbahn. Diese Räume können das nächste Jahr von den Jugendlichen entsprechend genutzt werden können. Es gibt weitere Anfragen und Ausbaupläne.